Typopassage Wien

Ausstellung Typografischer Plakate in der Typopassage

November 2016 bis Februar 2017
Text: Sandra Hubinger, Gestaltung: Katharina Gattermann
KuratorInnen 2016/17: Toledo i Dertschei www.studiotid.com
www.typopassage.at

Typopassage

Text
Gedicht aus Lyrikzyklus I, erstmals erschienen in: Lichtungen – Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeit­kritik, 146/XXXVII. Jg/2016. Sandra Hubinger, geboren und aufgewachsen in Ober­österreich. Studium der Germanistik und Geschichte in Salzburg. Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften, Zeitungen und Anthologien. Preis­trägerin beim Feldkircher Lyrikpreis 2013. Zuletzt erschien der Lyrikband: Kaum Gewicht und Rückenwind. Lyrik der Gegenwart 56. Edition Art Science 2016.

Typografie
Die Plakate sind in der Schrift Dia von Schick Toikka gesetzt. Die Type Foundry Schick Toikka (Berlin/Helsinki) wurde 2010 von ­Florian Schick und Lauri Toikka gegründet, deren Zusammenarbeit im Master­studiengang Type and Media an der Royal Academy of Art in Den Haag (NL) begann.
Die Dia erschien 2015 und ist eine zeitgenössische serifenlose Schrift (Groteskschrift) mit eigenwilligen ­Formen und Details. Sie ist inspiriert von den frühen Groteskschriften aus dem 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, die im Vergleich zu modernen serifenlosen Schriften heute oft etwas grob und ungeschliffen erscheinen. Gerade das macht aber auch ihren Reiz aus. Typisch für diese frühen Groteskschriften sind unter anderem relativ starke Unterschiede in der Strichstärke. Vor allem dort, wo ­Striche aufeinandertreffen, entstehen starke Verdünnungen und Einkerbungen.
Mit der Industrialisierung gewannen serifenlose Schriften im 19. Jahrhundert immer mehr an Popularität, da ihre ­Ästhetik als rational, technisch und fortschrittlich empfunden wurde. Die zunehmende Warenvielfalt führte dazu, dass erstmals Werbung in größerem Stil auftrat und auch den öffentlichen Raum eroberte. Aufgrund ihrer kompakten und plakativen Formen ­fanden Groteskschriften zunächst vor allem in der Werbung und auf Plakaten, erst später auch für längere Texte Verwendung.
Aufgrund der steigenden Nachfrage entstanden ­zahlreiche Groteskschriften. Eine frühe Grotesk, die heute digitalisiert zur Verfügung steht, ist zum Beispiel die 1926 veröffentlichte Monotype Grotesk. Sie wurde jedoch bald von der nur wenig später erschienenen Futura und der Gill Sans verdrängt, die wesentlich harmonischer und klarer konstruiert waren und bis heute als Klassiker im Einsatz sind.
Die Dia zitiert Merkmale der »ungehobelten« frühen Grotesk­schriften, ist dabei aber eine absolut moderne, gut durchdachte und harmonische Schrift. Sie ­eignet sich nicht nur für große Schriftgrade, bei denen ihre Details besonders gut zur ­Geltung kommen, sondern auch für grö­ßere Textmengen. Die Schrift­familie besteht aus vier Schriftschnitten (light, regular, bold, black) plus der jeweiligen Kursiven. Eine Besonderheit ist, dass sich die Breite der Buchstaben mit zunehmender Dicke erhöht, der ›light‹ Schnitt besitzt also deutlich schmalere Buchstaben als der ›black‹ Schnitt. Prominent im Einsatz war die Dia 2016 einige Monate lang im Zeit Magazin. www.schick-toikka.com

 

impressum | © by Katharina Gattermann 2010