impress

Ein Buch über Eindrücke und über das, was bleibt

›impress‹ engl. für: beeindrucken, Eindruck machen auf | jdm. etw. einschärfen, (deutlich) klarmachen | ein Muster auf etw. aufdrücken oder aufprägen, in etw. eindrücken oder einprägen.

In diesem Projekt geht es um Eindrücke: körperliche und visuelle Eindrücke sowie Sinneseindrücke. Die körperlich visuellen Eindrücke spielen sich auf der Bildebene der Fotografien ab, die Sinneseindrücke auf der Textebene der in das Papier geprägten Schrift im Buch.

Die insgesamt 12 analogen Fotografien zeigen Eindrücke von Kleidung oder Gegenständen, die sich im Alltag in der Haut abdrücken, wie z.B. der BH auf dem Rücken, das Kissen auf der Wange oder die Stuhlkante am Oberschenkel. Diese Eindrücke sind nicht direkt abgebildet, sondern in Form von Sätzen, die die abgedrückten Gegenstände individuell textlich beschreiben (Kante des Küchenstuhls klar lackiertes Buchenholz nach Viertelstunde unbequem) statt anonym abzubilden (eine Stuhlkante ist eine Stuhlkante).

Der blind aus dem Papier herausgeprägte Text besteht aus elf Sätzen zum Thema Sinneseindrücke: woran erinnern wir uns und weshalb, was passiert beim Erinnnern, welche Rolle spielt Schrift dabei.

Das entstandene Buch ist 28×28 cm groß und enthält alle zwölf Fotografien sowie den geprägten Text. Die Fotografien sind mit Pigmenttinte auf sehr dünnes, mattes Papier gedruckt, das anschließend geprägt und japanisch gebunden wurde. Der feste Einband ist mit Leinen bezogen und mit dünnem Schaumstoff abgepolstert, so dass das Buch sich in der Hand eindrücken lässt. Alle 10 Exemplare dieses Buchobjektes sind in Handarbeit entstanden.

Der Text

Druck lässt nichts unverändert, etwas ist nichtmehr so, wie es vorher war, es wurde eingedrückt, beeindruckt, bedruckt. Wir erinnern uns an das, was uns beeindruckt hat; es hat seine Spur in uns hinterlassen, sich in uns eingedrückt, unseren Zustand verändert. Erinnern setzt Eindrücke voraus, ihre Spuren werden wieder aufgenommen, aufgespürt, gelesen. Eindrücke können ihre Spuren tief und deutlich eingraben, oder nur flüchtig die Oberfläche streifen und sich verlieren. Je tiefer uns etwas beeindruckt hat, desto selbständiger tauchen Erinnerungen auf, willkommen oder ungebeten. Aufspüren und Lesen von Spuren, die uns zu Erinnerungen führen, kann einfach oder schwierig sein, schmerzlich oder erfreulich. Das, was uns beeindruckt hat, schreiben wir auf, halten es in Schrift fest um es zu erinnern, vor dem Vergessen zu bewahren. Schrift ist die Spur der Sprache, die sich Buchstabe für Buchstabe in den Untergrund hineindrückt, sich in ihn hineingräbt, ihn füllt. Der Untergrund nimmt die Spuren in sich auf, lässt sich eindrücken, beeindrucken, bedrucken, bereitwillig oder widerstrebend. Wir verfolgen die Spur der Buchstaben, entziffern sie, lesen sie und erinnern uns an das, was uns beeindruckt hat. Aus der Spur der Schrift können fremde Erinnerungen und Eindrücke lebendig werden und sich in uns eindrücken, zu unseren eigenen werden, ihre Spur in uns fortsetzen.

 

impressum | © by Katharina Gattermann 2010